Met selber machen: Honigwein brauen Anleitung
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Ein klassischer Met aus 1 kg Honig und 3 Litern Wasser ergibt 3,5 Liter Honigwein mit 12–14 % Alkohol – die Hauptgärung dauert 4–6 Wochen, die Reifung weitere 3–6 Monate. Materialeinsatz für eine 5-Liter-Charge liegt bei rund 25 Euro, das Endergebnis im Glas erreicht qualitativ Bereiche, die kommerziell ab 12 Euro pro 0,5-Liter-Flasche aufgerufen werden. Die Methode ist verzeihlicher als beim Bierbrauen, aber zwei Stellschrauben entscheiden über trockenen Genuss-Met und schales Honig-Wasser: Honig-Verhältnis und Hefe-Wahl.
Honig, Wasser, Hefe – warum die Auswahl entscheidet
Honig ist die einzige Zuckerquelle bei klassischem Met. 1 kg Honig liefert je nach Sorte 750–820 g vergärbaren Zucker. Die Hefe wandelt davon ungefähr 51 % in Ethanol um, der Rest wird zu CO2 und Hefemasse. Aus 1 kg Honig auf 3 Liter Gesamtvolumen entstehen rein rechnerisch 12–14 % Alkohol, abhängig von Hefe-Effizienz und Endvergärungsgrad.
Sortenhonig prägt das Endergebnis. Klar-milder Akazienhonig liefert einen sauberen, fast weinähnlichen Met. Robuste Sorten wie Waldhonig, Edelkastanie oder Heidehonig bringen mehr Tiefe und Tannin-Charakter. Lindenhonig ist der Allrounder zwischen beiden Welten. Industrieller Mischhonig aus Asien oder Südamerika geht zwar – das Aroma bleibt aber flach und unspezifisch.
Bei der Hefe gilt: Bäckerhefe geht zur Not, ergibt aber einen einfachen, schnellen Met. Reinzuchthefen wie Lalvin EC-1118 (Champagnerhefe) garantieren saubere Gärung bis 18 % Alkohol und sind für Anfänger fast unschlagbar. Wer einen fruchtigeren Met will, nimmt Lalvin K1-V1116. Eine Tüte für 5 Liter Ansatz kostet etwa 2 Euro im Brauversand.
Zutaten und Equipment für 5 Liter Met
| Komponente | Menge | Hinweis |
|---|---|---|
| Honig (Sortenhonig) | 1,5 kg | unbehandelt, regional |
| Wasser (kochendes) | 3,5 L | chlorfrei, aufgekocht |
| Lalvin EC-1118 | 1 Tüte (5 g) | Champagnerhefe |
| Hefenährsalz (DAP) | 5 g | stickstoffarme Honig-Lösung |
| Zitronensaft frisch | 50 ml | pH-Stabilisierung |
Equipment-seitig: Gärballon 5–6 Liter mit Gummistopfen und Gärröhrchen (15–25 Euro), zweites identisches Gefäß zum Umfüllen, Heber/Schlauch für die Umfüllung, Aräometer zur Stammwürze-Kontrolle (10 Euro), Trichter, Sterilisationslösung (Star San oder StarBriochet), Flaschen mit Schraubverschluss und ein digitales Thermometer für die Gärtemperatur.
Schritt 1: Honiglösung ansetzen (Must)
Wasser auf 80 °C erhitzen, vom Herd nehmen. Honig direkt einrühren, bis er komplett gelöst ist – nicht kochen, das vertreibt Aromastoffe. Manche Brauer schöpfen den entstehenden Schaum ab (klassisch "Skimmen"), andere lassen ihn drin. Auf Raumtemperatur abkühlen lassen, das dauert 4–6 Stunden.
Die Honiglösung in den sterilisierten Gärballon füllen. Stammwürze mit Aräometer messen – sollte zwischen 1,090 und 1,100 liegen, was 22–25 Brix entspricht. Zitronensaft und Hefenährsalz dazugeben. Zitronensäure senkt den pH auf etwa 3,5–4,0, was Lactobacillus und Fäulnisbakterien hemmt. Hefenährsalz liefert Stickstoff, weil Honig von Natur aus stickstoffarm ist und die Hefe sonst hungert.
Hefe nach Anweisung der Tüte rehydrieren: 5 g in 50 ml lauwarmem Wasser (35 °C) auflösen, 15 Minuten stehen lassen, dann zur Honiglösung geben. Gärballon mit Gummistopfen und Gärröhrchen verschließen. Das Gärröhrchen mit Wasser oder einem Schluck Wodka füllen – das verhindert Sauerstoff und lässt CO2 entweichen.
Schritt 2: Hauptgärung führen
Die ideale Gärtemperatur für EC-1118 liegt bei 18–22 °C. Bei 24 °C wird die Hefe gestresst und produziert Fuselöle (kratziger Geschmack), unter 16 °C zieht sich die Gärung über Wochen hin. Ein Vorratsraum, ein Schrank im Keller oder ein kühler Flur sind ideal. Direkte Sonne unbedingt meiden, weil UV-Licht Honig-Aromen abbaut.
Tag 1–3: Erste Bläschen am Gärröhrchen. Tag 3–14: Hauptgärung – das Röhrchen blubbert alle paar Sekunden, die Flüssigkeit wird trüb. Nach 14–28 Tagen lässt die Aktivität nach. Wenn das Röhrchen nur noch alle 2–3 Minuten blubbert und das Aräometer 1,000 oder darunter zeigt, ist die Hauptgärung durch.
Erste Umfüllung ("Abstich"): Den Met mit dem Heber vorsichtig in einen zweiten sterilisierten Gärballon umfüllen, sodass die Hefemasse ("Trub") am Boden zurückbleibt. Diesen Schritt nach 4–6 Wochen machen. Wer das überspringt, riskiert nach 3 Monaten autolyse-bedingte Hefe-Off-Aromen ("nasser Hund").
Reifung, Klärung und Abfüllung
Nach der ersten Umfüllung folgt die Reifezeit von 3–6 Monaten. Der Met klärt sich allmählich, die Aromen entwickeln Tiefe. Bei einem trockenen Met bleibt es bei dieser einen Stillgärung. Wer einen lieblichen Met will, kann nach der Hauptgärung mit Schwefel (50 mg pro Liter) und Kaliumsorbat (200 mg pro Liter) die Hefe stoppen, dann nach Geschmack mit etwas Honig nachsüßen.
Vor der Abfüllung wird ein zweiter Abstich empfohlen, um den weiteren Bodensatz zu entfernen. Wer wirklich klaren Met will, klärt zusätzlich mit Bentonit (5 g pro 5 Liter, 24 Stunden einwirken lassen) – das bindet Trübstoffe und sinkt zu Boden. Die Klärung ist nicht zwingend, macht aber optisch deutlich mehr her.
Abgefüllt wird in 0,5- oder 0,75-Liter-Flaschen mit Schraubverschluss oder Korken. Die Flaschen müssen sterilisiert sein. Mindestens 4 Wochen weiterreifen lassen, idealerweise 3–6 Monate. Junger Met schmeckt scharf-alkoholisch, mit Reife rundet sich das Aroma zu Honig, leichter Süße und feiner Säure ab.
Wenn der Met nicht funktioniert: 5 typische Fehler
- Gärung startet nicht: Hefe abgestorben (zu heißes Wasser bei der Rehydrierung). Lösung: zweite Tüte EC-1118 trocken einstreuen.
- Gärung stockt bei 1,030: Hefe verhungert mangels Stickstoff. Lösung: 2 g Hefenährsalz nachgeben, vorsichtig umrühren.
- Schweflig-faulige Note: Hefe gestresst durch Temperatur über 24 °C oder zu wenig Stickstoff. Belüften und 100 mg Kaliummetabisulfit pro Liter zugeben.
- Essig-Geruch: Acetobacter durch Sauerstoffeintrag bei Gärröhrchen ohne Wasser. Charge meist verloren – als Met-Essig weiterverwenden.
- Pelzige Schicht oben: Schimmel durch undichten Stopfen. Komplett wegwerfen.
Varianten und nächste Ausbaustufen
Klassischer Met ist die Basis. Sobald das Grundrezept sitzt, gibt es vier Hauptvarianten: Melomel (Met mit Früchten – Beeren, Pfirsiche, Trauben), Cyser (Met mit Apfelsaft statt Wasser), Bochet (mit karamellisiertem Honig) und Hydromel (leichter Met mit nur 6–8 % Alkohol, kohlensaure Variante in der Flasche).
Für die erste Variante empfiehlt sich Cyser: 2 Liter naturtrüben Apfelsaft statt Wasser, 1,2 kg Honig, sonst identisches Rezept. Der Met bekommt fruchtige Apfel-Honig-Tiefe, ist nach 4 Monaten trinkfertig und bei Erstkontakt fast jedem zugänglich. Ein klassisches Eigengewächs für Geburtstage und Feiertage.
Mehr Hintergrund zur Hefe-Auswahl und zur Stammwürze-Messung findest du im Beitrag Refraktometer fürs Hobbybrauen, klassische Honig-Frucht-Kombinationen sind im Artikel Met-Varianten aufgeschlüsselt.
Tipp
Verwende immer unbehandeltes Gemuese und unjodiertes Salz fuer die besten Ergebnisse. Die Temperatur sollte zwischen 18-22 Grad liegen.
Veröffentlicht durch die Gaerkultur-Redaktion. Veröffentlicht am 2. Juli 2026.
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