Wein selber machen: Traubenwein zu Hause keltern
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Die Grundausstattung für den Hauswein
Für den Einstieg brauchst du einen Gärballon (10-15 Liter Glas oder Kunststoff), einen Gäraufsatz (Gärröhrchen), einen Schlauch zum Umfüllen, Kaliumdisulfit zur Desinfektion, Reinzuchthefe für Wein und eine Vinometer-Spindel zur Zuckermessung. Die Gesamtkosten für die Erstausstattung liegen bei 40-60 Euro.
Trauben bekommst du im Herbst auf Wochenmärkten, bei Winzern oder im Großhandel. Für zehn Liter Wein brauchst du 12-15 kg Trauben. Alternativ funktioniert Traubensaft aus dem Handel, weniger authentisch, aber deutlich einfacher für den ersten Versuch.
Rotwein vs. Weißwein: Der Prozess-Unterschied
Bei Weißwein presst du die Trauben sofort und vergärst nur den Saft (Most). Bei Rotwein vergärst du den Saft zusammen mit den Schalen (Maischegärung), die Schalen liefern Farbe, Tannine und Aromen. Die Maischegärung dauert 5-14 Tage, dann presst du ab und lässt den Wein weitergären.
| Schritt | Weißwein | Rotwein |
|---|---|---|
| Trauben zerkleinern | Ja, dann sofort pressen | Ja, Maische stehen lassen |
| Maischegärung | Keine | 5-14 Tage mit Schalen |
| Hauptgärung | 10-21 Tage | 10-21 Tage nach Abpressen |
| Gärtemperatur | 15-18°C | 20-28°C |
| Reifezeit | 2-4 Monate | 6-12 Monate |
Trauben verarbeiten und Most gewinnen
Trauben waschen und von den Stielen lösen (Entrappen). In einem großen Eimer mit den Händen oder einem Kartoffelstampfer zerdrücken. Für Weißwein: durch ein Presssäckchen oder Mulltuch den Saft auspressen. Für Rotwein: die gesamte Maische in den Gärballon geben.
Vor der Hefezugabe den Most schwefeln: 1 g Kaliumdisulfit pro 10 Liter Most lösen Wildhefen und Bakterien ab, die unerwünschte Aromen produzieren. 24 Stunden warten, dann die Reinzuchthefe einstreuen. Wein-Hefe wie Lalvin EC-1118 oder Lalvin 71B ist fermentationsstark und produziert saubere Aromen.
Gärung überwachen und Abstich
Die Hauptgärung zeigt sich durch aktive Blasenbildung im Gärröhrchen, anfangs mehrere Blasen pro Sekunde. Nach 10-21 Tagen verlangsamt sich die Gärung. Wenn weniger als eine Blase pro Minute aufsteigt, ist die Hauptgärung abgeschlossen.
Jetzt folgt der erste Abstich: Wein mit einem Schlauch vorsichtig vom Bodensatz (Hefe-Trub) in einen sauberen Ballon umfüllen. Den Schlauch nicht bis zum Boden führen, die letzten 2-3 cm Trub bleiben zurück. Gäraufsatz aufsetzen und für die Nachgärung und Reifung stehen lassen.
Nach vier bis sechs Wochen folgt ein zweiter Abstich. Danach reift der Wein: Weißwein zwei bis vier Monate, Rotwein sechs bis zwölf Monate. Je länger die Reifung, desto weicher die Tannine und desto runder der Geschmack.
Abfüllung und Lagerung
Vor der Abfüllung leicht schwefeln (0,5 g Kaliumdisulfit pro 10 Liter) und optional mit Bentonit schönen (klärt trüben Wein). In saubere Glasflaschen abfüllen, mit Korken oder Schraubverschluss verschließen. Liegend lagern bei 10-15°C.
Säure und Zucker: Die zwei Stellschrauben für guten Hauswein
Der Zuckergehalt der Trauben bestimmt den späteren Alkoholgehalt: 1 °Oechsle ergibt ca. 0,13 Vol.-% Alkohol. Für einen trinkbaren Wein mit 11–12 % brauchst du Most mit 80–90 °Oechsle. In deutschen Gärten liegen die Werte oft bei 60–70 °Oechsle, dann musst du mit Zucker aufzuckern (Chaptalisation). Pro 10 g Zucker pro Liter steigt der Alkohol um ca. 0,6 Vol.-%.
Die Gesamtsäure misst du mit einem Acidometer (ca. 15 €, z.B. von Vinoferm). Idealwert für Weißwein: 6–8 g/L, für Rotwein: 5–7 g/L. Zu saurer Most (über 10 g/L) lässt sich mit Calciumcarbonat (1 g senkt die Säure um ca. 1 g/L) oder durch Verschnitt mit säurearmem Saft korrigieren.
Hefeauswahl: Reinzuchthefe vs. Spontangärung
Reinzuchthefen (Lalvin EC-1118 für Weißwein, Lalvin RC-212 für Rotwein) garantieren eine saubere, zuverlässige Gärung. Ein Päckchen (5 g) reicht für 25 Liter und kostet unter 3 €. EC-1118 ist besonders robust, sie vergärt auch bei niedrigen Temperaturen (10 °C) und hohem Zuckergehalt zuverlässig.
Spontangärung mit Wildhefen von der Traubenschale klingt romantisch, birgt aber Risiken: Fehlgeschmäcker (Essigstich, Mäuseln), steckengebliebene Gärung oder unerwünschte Nebenprodukte. Für Anfänger empfehle ich ausnahmslos Reinzuchthefe. Erst mit 3–4 erfolgreichen Jahrgängen Erfahrung lohnt sich das Experiment mit Spontangärung, und auch dann nur mit einwandfreiem, pestizidfreiem Traubengut.
Typische Anfängerfehler beim Weinmachen
Fehler Nr. 1: Zu wenig Schwefeln. Kaliumdisulfit (2 g pro 10 Liter beim Abfüllen) schützt vor Oxidation und Bakterien. Ohne Schwefel wird selbst guter Wein innerhalb weniger Wochen braun und essigstichig. Fehler Nr. 2: Wein zu früh abfüllen. Nach der Hauptgärung (2–3 Wochen) folgt die Nachgärung, der Wein braucht mindestens 6–8 Wochen auf der Feinhefe, bevor du abstichst.
Fehler Nr. 3: Verschmutzte Ausrüstung. Jeder Gärballon, jeder Schlauch und jeder Korken muss mit Natriumpercarbonat (OxiClean oder Chemipro OXI) gereinigt werden. Eine einzige kontaminierte Oberfläche kann die gesamte Charge verderben. Investiere in eine Sprühflasche mit Star San (säurebasiertes Desinfektionsmittel, ca. 12 €), ein Kontakt von 30 Sekunden reicht für sterile Oberflächen.
Fazit
Starte mit Weißwein aus Traubensaft, der Prozess ist einfacher und das Ergebnis in zwei bis drei Monaten trinkbar. Für Rotwein brauchst du frische Trauben und mehr Geduld. Investiere in eine Spindel und Reinzuchthefe, diese beiden Werkzeuge machen den Unterschied zwischen trinkbarem Wein und Essig.
Tipp
Verwende immer unbehandeltes Gemuese und unjodiertes Salz fuer die besten Ergebnisse. Die Temperatur sollte zwischen 18-22 Grad liegen.
Veröffentlicht durch die Gaerkultur-Redaktion. Veröffentlicht am 6. Mai 2026.
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