Jun-Tee selber machen: Kombucha mit Grüntee und Honig
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Jun-Tee fermentiert mit Honig statt Zucker und arbeitet bei 18 bis 22 Grad Celsius am liebsten – damit ist er ungefähr 4 Grad kühler eingestellt als klassischer Kombucha. Diese Kühle plus die zarten Catechine im Grüntee ergeben ein Getränk mit deutlich feinerer Säure und einem trocken-floralen Abgang. Wer Kombucha schon souverän braut, findet in Jun die nächste Stufe der Teefermentation.
Was Jun von Kombucha unterscheidet
Jun nutzt eine eigene SCOBY-Kultur, die auf Honig statt Rohrzucker konditioniert ist. Sie wirkt heller, dünner und gallertartiger als ein Kombucha-Pellikel und bildet sich in 5 bis 7 Tagen neu. Der Säuregehalt im fertigen Jun liegt bei 0,4 bis 0,7 Prozent, also etwa ein Drittel weniger sauer als ein 14 Tage alter Kombucha bei gleicher Reifezeit.
Der zweite Unterschied ist das Tempo. Jun fermentiert deutlich schneller, weil Honig direkt verfügbare Mono- und Disaccharide liefert. Wo Kombucha mit Schwarztee 10 bis 14 Tage in der Erstgärung braucht, ist Jun bereits nach 4 bis 7 Tagen trinkfertig.
Geschmacklich übernimmt der Grüntee die Hauptrolle. Sencha bringt Algen-Noten, Gunpowder eine leicht rauchige Tiefe und Long Jing eine grasige Frische. Der Honig prägt vor allem das Bouquet, weil seine Aromakomponenten in der Gärung weitgehend erhalten bleiben.
Die richtige Honig-Auswahl
Roher, unbehandelter Honig ist Pflicht. Pasteurisierter Supermarkthonig wurde meist auf 70 Grad erhitzt und enthält keine aktiven Enzyme mehr, was die Gärung verlangsamt. Greife zu Imkerhonig direkt vom Erzeuger oder zu zertifizierter Bio-Ware mit dem Hinweis "kaltgeschleudert" oder "naturbelassen".
Helle, milde Sorten wie Akazie oder Robinie passen am besten zum Grüntee, weil sie das Tee-Aroma nicht überdecken. Linde wirkt mentholig, Kastanie zu herb. Manuka ist möglich, aber teuer und durch sein hohes Methylglyoxal hemmt er teilweise die Hefen – die Gärung braucht dann 8 bis 9 Tage statt 5.
Ein Kilo Jun-Ansatz benötigt 70 bis 80 Gramm Honig. Mehr macht das Endgetränk klebrig-süß, weniger lässt die SCOBY hungern.
Grüntee richtig aufbrühen
Grüntee verträgt keine 100 Grad – die Bitterstoffe werden dann dominant und blockieren die Gärung. Brühe mit 75 bis 80 Grad heißem Wasser auf und ziehe nur 2 bis 3 Minuten. Pro Liter Ansatz brauchst du 6 Gramm losen Tee, das entspricht etwa 3 gehäuften Teelöffeln.
Der Tee muss vollständig auf Raumtemperatur abkühlen, bevor er auf die SCOBY trifft. Über 30 Grad sterben die Hefen, unter 18 Grad startet die Gärung kaum. 22 Grad sind ideal.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Für 1 Liter Jun benötigst du: 6 g Sencha oder Long Jing, 75 g heller Honig, 1 Jun-SCOBY (mindestens 50 g), 100 ml Starterflüssigkeit aus einem vorherigen Ansatz oder gekauft, 900 ml gefiltertes Wasser.
- Wasser auf 80 Grad erhitzen, Tee einlegen, 3 Minuten ziehen lassen, Tee entfernen.
- Tee auf 35 Grad abkühlen, dann Honig einrühren bis er sich vollständig gelöst hat.
- Mischung in ein 2-Liter-Glas geben und auf 22 Grad temperieren.
- Starterflüssigkeit zugeben, dann SCOBY auflegen.
- Glas mit Geschirrtuch und Gummiband abdecken – niemals luftdicht verschließen.
- An einem Ort mit 18-22 Grad und ohne direkte Sonne 4-7 Tage stehen lassen.
- Ab Tag 4 täglich verkosten, sobald der Geschmack trocken-säuerlich ist, 100 ml Starter abnehmen und den Rest abfüllen.
Die Zweitfermentation für Kohlensäure
Wer Sprudel will, füllt den fertigen Jun in dickwandige Bügelflaschen mit 1 Esslöffel Fruchtpüree pro 500 ml. Bei 22 Grad Raumtemperatur baut sich in 24 bis 48 Stunden ausreichend Druck auf. Beeren-, Pfirsich- oder Holunder-Aromen passen besonders gut zur grünen Tee-Basis.
Wichtig: Bügelflaschen müssen für 8 bis 10 Bar Innendruck ausgelegt sein. Sektflaschen oder Mineralwasserflaschen mit Schraubverschluss sind tabu, weil sie bei zu hohem Druck explodieren.
| Parameter | Jun | Klassischer Kombucha |
|---|---|---|
| Süßungsmittel | Roher Honig 70-80 g/L | Rohrzucker 60-80 g/L |
| Tee-Basis | Grüntee, 75-80 °C | Schwarztee, 95 °C |
| Gärtemperatur | 18-22 °C | 22-26 °C |
| Gärdauer Erstgärung | 4-7 Tage | 10-14 Tage |
| Endsäure | 0,4-0,7 % | 0,8-1,2 % |
Häufige Probleme und Lösungen
Wenn der Jun nach 7 Tagen noch süßlich-flach schmeckt, ist die Temperatur zu niedrig. Stelle das Glas an einen wärmeren Ort, idealerweise auf den Kühlschrank oben drauf, dort herrschen oft konstant 22 Grad.
Schwarze oder grüne Punkte auf der SCOBY sind Schimmel und bedeuten Komplettverlust – Glas inklusive Inhalt entsorgen, Equipment mit Essig auskochen, neuen Ansatz mit frischer Kultur starten. Braune Hefefäden, die unter der Pellikel hängen, sind dagegen normal und sogar ein Zeichen aktiver Gärung.
Lagerung und Pflege der Jun-SCOBY
Wenn du nicht durchgehend braust, lagere deine SCOBY in 200 ml Honig-Tee-Mischung im Kühlschrank bei 4 bis 6 Grad. So bleibt sie 4 bis 6 Wochen aktiv. Längere Pausen brauchen alle 4 Wochen eine Auffrischung mit 50 ml frischem Ansatz, sonst stirbt die Hefepopulation und der Pellikel wird braun-glasig.
Vor dem nächsten Brauen die SCOBY 24 Stunden bei Raumtemperatur akklimatisieren lassen, sonst startet die Gärung träge. Das passende Folgerezept findest du unter Kombucha-Zweitfermentation mit Früchten, die Aromen-Logik gilt 1:1 auch für Jun.
Tochter-SCOBYs entstehen bei jedem Ansatz an der Oberfläche und können nach dem dritten Brauen abgenommen werden. Frische Pellikel sind dünn (2-3 mm), nach 4 bis 6 Brauereien werden sie 8 bis 12 mm dick. Spätestens dann teilen, sonst übernimmt die Pellikel zu viel Glasvolumen und die Flüssigkeitsbasis schrumpft.
Gesundheitsaspekte und Polyphenole
Jun gilt als der probiotisch wertvollste fermentierte Tee. Die Kombination aus Catechinen aus dem Grüntee (besonders EGCG) und den Honig-Enzymen (Glucose-Oxidase, Diastase) ergibt ein Getränk mit höherem antioxidativem Profil als Kombucha. Pro 200 ml Glas finden sich 80 bis 120 mg Polyphenole, das entspricht etwa zwei Tassen frisch gebrühtem Sencha.
Der Restzucker liegt bei 2 bis 3 Gramm pro 100 ml und damit deutlich unter Limonaden (10 g/100 ml). Wer eine empfindliche Magensäure hat, sollte Jun mit Mahlzeiten trinken statt auf nüchternen Magen, weil die organischen Säuren (Essigsäure, Glucuronsäure) sonst aufstoßen lassen können.
Worauf es wirklich ankommt
Jun ist anspruchsvoller als Kombucha, weil Temperatur, Honigqualität und Aufbrühzeit weniger Spielraum lassen. Wer die 22-Grad-Marke und einen aromatischen Bio-Honig hält, bekommt nach einer Woche ein elegantes, prickelndes Getränk mit deutlich weniger Säurebiss als jeder Kombucha. Die ersten 2 Ansätze sind oft noch flach – ab Batch 3 wird die Kultur zuverlässig und das Ergebnis konstant. Mehr zur Kultur-Auswahl liest du unter SCOBY kaufen oder selber ziehen.
Tipp
Verwende immer unbehandeltes Gemuese und unjodiertes Salz fuer die besten Ergebnisse. Die Temperatur sollte zwischen 18-22 Grad liegen.
Veröffentlicht durch die Gaerkultur-Redaktion. Veröffentlicht am 1. August 2026.
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