Fermentiergewichte: Welche halten das Gemüse wirklich unter der Lake?
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Ein Fermentiergewicht muss mindestens 200 Gramm wiegen, damit Sauerkraut, Kimchi und Pickles dauerhaft unter der Lake bleiben – alles darunter wird durch CO₂-Auftrieb hochgedrückt und der Fermentation-Ansatz kippt. Glas wiegt im Schnitt 250 g, Keramik 350 g, Edelstahl 400 g. Die Investition liegt zwischen 4 und 18 Euro pro Gewicht, ein Set für 4 Gläser kostet 25 bis 60 Euro.
Warum Gewichte überhaupt nötig sind
Bei der Milchsäuregärung produzieren Bakterien CO₂, das Kohldioxid steigt durch das Gemüse nach oben. Stücke, die über die Salzlake ragen, sind Sauerstoff ausgesetzt. Schimmel, Kahmhefe und Verderbniskeime brauchen Sauerstoff – unter Wasser können sie nicht wachsen. Deshalb gilt die eiserne Regel: Alles, was fermentiert, muss komplett unter Lake bleiben.
Ohne Gewicht passieren zwei Dinge: Erstens schwimmt der Kohl auf, zweitens trocknet die Oberfläche aus. Beides führt zu Schimmel innerhalb von 2 bis 4 Tagen, besonders in den ersten 7 Tagen, wenn die CO₂-Produktion am stärksten ist. Ein gutes Gewicht löst beide Probleme: es drückt das Gemüse mechanisch nach unten und blockiert gleichzeitig die Sauerstoffzufuhr.
Was 200 Gramm Mindestgewicht bedeutet
Die magische 200-g-Grenze ist kein Bauchgefühl, sondern Physik. Während der Hauptgärung produziert 1 Liter Sauerkraut etwa 1,5 Liter CO₂ über 14 Tage. Der Auftrieb hebt durchschnittlich 150 g Kohl pro Liter um 2–4 cm an. Ein Gewicht von 100 g reicht nicht – der Kohl drückt das Gewicht selbst nach oben. Erst ab 200 g im 1-Liter-Glas bleibt alles unten. Bei 2- oder 3-Liter-Gläsern brauchst du entsprechend 350–500 g.
Wer mit Krautfass von 5 oder 10 Liter Volumen arbeitet, braucht klassische Steingut-Gewichte mit 1,5 bis 3 kg. Diese werden traditionell zweigeteilt geliefert (zwei Halbmonde), damit man sie nach dem Befüllen einfach hineinlegen kann. Solche Sets liegen bei 30 bis 80 Euro, lohnen sich aber bei größeren Mengen über die Lebensdauer von 20 Jahren.
| Material | Gewicht typisch | Preis Stück | Reinigung | Bewertung |
|---|---|---|---|---|
| Glas | 200–280 g | 4–8 € | Spülmaschine | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Keramik glasiert | 350–450 g | 8–14 € | Handwäsche | ⭐⭐⭐⭐ |
| Edelstahl V4A | 350–500 g | 12–18 € | Spülmaschine | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Steingut traditionell | 1500–3000 g | 15–35 € | Handwäsche | ⭐⭐⭐⭐ |
| Stein aus dem Garten | variabel | 0 € | Schwierig | ⭐⭐ |
Glas: Der Allrounder
Glasgewichte sind die häufigste Lösung für Mason-Jar-Fermentierer. Sie kommen meist als kreisrunde Scheibe mit zentralem Knauf, passen in Standard-Einmachgläser von 70 bis 86 mm Innendurchmesser und wiegen je nach Größe 200 bis 280 g. Die Vorteile: lebensmittelechtes Borosilikat, neutral im Geschmack, säureresistent, spülmaschinenfest. Nachteil: bei 200 g am unteren Limit. Bei sehr aktiven Fermenten wie Schwarzem Knoblauch oder Apfelmus kann das knapp werden.
Marktführende Anbieter sind Mason Tops, Pickle Pebbles und ReCAP. Deutsche Hersteller wie Bürgerschmidt aus Sachsen liefern handgefertigte Varianten mit individuell gesägten Knäufen für 12–15 Euro. Wer 4 Gläser parallel laufen lässt, kommt mit 4 Glasgewichten zu 30 Euro Gesamtkosten weg.
Keramik: Schwerer und schicker
Glasierte Keramikgewichte wiegen 50–100 g mehr als Glas und sehen handwerklicher aus. Die Glasur muss bleifrei und säurefest sein – das bestätigen seriöse Hersteller mit DIN EN 1388-Zertifikat. Vorsicht bei hippen Töpfer-Marktplatz-Angeboten: ungesicherte Glasuren lösen unter Säureeinwirkung Schwermetalle, die in das Ferment übergehen können.
Praktischer Punkt: Keramikgewichte mit Loch in der Mitte lassen CO₂-Bläschen besser entweichen, glatte Scheiben halten mehr Druck im System. Beide Bauformen funktionieren, aber die mit Loch sind Beginner-freundlicher, weil Druck gar nicht erst gefährliche Werte erreicht.
Edelstahl: Der Profi-Standard
Edelstahlgewichte aus V4A (1.4404 oder 1.4571) sind für Profis und ambitionierte Hobbybrauer der Goldstandard. V4A ist molybdän-legiert und damit säureresistent, V2A reicht nicht – verwende keine Kaufgewichte, die nicht explizit V4A oder Lebensmittelqualität ausweisen. V4A wiegt 7,9 g/cm³, eine Scheibe von 8 cm Durchmesser und 8 mm Stärke ergibt damit etwa 320 g.
Vorteile: extrem langlebig, spülmaschinenfest, neutral im Geschmack, hygienisch unauffällig. Nachteil: 12 bis 18 Euro pro Stück. Hersteller wie Westmark, Kilner und Fido bieten gestapelte Sets von 4 Stück für 50–60 Euro. Wer in 5–10 Gläsern parallel fermentiert, amortisiert die Investition im ersten Jahr durch weniger Schimmel-Verluste.
Steingut: Klassisch und ewig haltbar
Wer einen 5- oder 10-Liter-Krautfass-Topf benutzt, kommt um klassische Steingut-Halbmonde nicht herum. Diese werden zweigeteilt geliefert, sodass man sie über die Krautoberfläche schieben kann, ohne den ganzen Topf neu zu schichten. Marken wie Schmitt, Westerwald oder Burgund-Töpferei liefern Sets ab 25 Euro für 5-Liter-Töpfe.
Steingut hat eine Eigenschaft, die Glas und Edelstahl nicht haben: poröse Oberfläche. Eine Patina aus Milchsäurebakterien bildet sich über Jahre und impft jedes neue Ferment automatisch mit. Wer denselben Topf zehn Jahre nutzt, hat einen aktiven Mikrobiom-Reservoir, das die Gärqualität konstant hält. Mehr Hintergrund zu Steingut-Töpfen findest du im Sauerkraut-Grundrezept.
Hausmittel: Wenn kein Geld da ist
Steine aus dem Garten gehen, sind aber heikel. Ein 250-g-Kiesel scheint perfekt – bis er Mineralien an die Lake abgibt oder Spuren von Vogelkot, Bakterien und Pestiziden ins Ferment trägt. Wer Steine nutzen will, muss sie eine Stunde in Essigwasser auskochen und glatte, nicht poröse Sorten wählen (z. B. Granit, Quarzit). Sandstein und Schiefer sind tabu, weil sie Mineralien lösen.
Praktikable Alternativen: ein Wasserglas im Glas, mit Wasser bis zur Halsmarke gefüllt (der Wasserdruck plus Glasgewicht ergibt 250–400 g). Oder ein Plastikbeutel mit Salzlake, der genau die Form des Glashalses ausfüllt. Beide Hausmittel funktionieren bei kurzer Fermentation (7 Tage Pickles), bei längeren Ansätzen wirken industrielle Gewichte zuverlässiger.
Reinigung und Lebensdauer
Glas- und Edelstahlgewichte halten unbegrenzt, wenn sie nach jedem Ansatz mit klarem Wasser oder in der Spülmaschine gereinigt werden. Keramik ist empfindlicher: Spülmaschinentabs greifen die Glasur nach 20–30 Zyklen an, daher Handwäsche mit normalem Spülmittel. Steingut darf nie in die Spülmaschine – Temperaturschock kann zu Haarrissen führen, in denen sich später Bakterien einnisten.
Nach jedem Ferment-Wechsel auf Verfärbungen prüfen. Schwarze Punkte auf Edelstahl deuten auf Lochkorrosion hin (V2A statt V4A). Verfärbte Keramik oder Glas ist meist nur Patina und harmlos. Wer parallel mehrere Fermente laufen lässt, nummeriert die Gewichte oder nutzt verschiedene Farben, um Quervermischung zwischen Knoblauch-Pickles und süßem Beerenwein zu vermeiden – Aromen wandern überraschend stark. Mehr zu Cross-Contamination findest du im Kimchi-Grundrezept.
Häufige Fehler
Für 1-Liter-Mason-Jars: Glasgewichte für 5–8 Euro pro Stück, im 4er-Pack 25–30 Euro. Für ambitionierte Hobby-Fermentierer mit 5+ Gläsern parallel: Edelstahl V4A für 12–18 Euro pro Stück, langfristige Investition. Für klassisches Krautfass ab 5 Liter: traditionelle Steingut-Halbmonde für 25–35 Euro. Hausmittel mit Wasserglas funktionieren bei kurzen Ansätzen, sind bei langen Fermenten aber unzuverlässig. Die Mindestmasse von 200 g pro Liter Ferment ist nicht verhandelbar – wer darunter bleibt, riskiert Schimmel und damit den ganzen Ansatz.
Tipp
Verwende immer unbehandeltes Gemuese und unjodiertes Salz fuer die besten Ergebnisse. Die Temperatur sollte zwischen 18-22 Grad liegen.
Veröffentlicht durch die Gaerkultur-Redaktion. Veröffentlicht am 20. Juni 2026.
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