Fermentieren im Mason Jar: Tipps und Zubehör
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Ein Mason Jar mit 950 ml Volumen kostet etwa 8 Euro, verglichen mit einem keramischen Gärtopf für 60–120 Euro ist das ein Bruchteil. Mit drei Schlüssel-Accessoires verwandelt sich das simple Schraubglas in ein vollwertiges Fermentations-Setup, das Kohl, Gurken oder Kimchi mindestens so zuverlässig produziert wie das deutlich teurere Equipment.
Warum Mason Jars zum Fermentations-Standard wurden
Mason Jars sind seit über 160 Jahren in den USA als Einmach-Gefäße etabliert. Der zweiteilige Deckel, flacher Innen-Deckel und schraubbarer Ring, wurde ursprünglich fürs Heißeinkochen entwickelt. Für Fermentation ist genau diese Trennung praktisch: Der Innen-Deckel lässt sich gegen verschiedene Aufsätze tauschen, ohne den Ring zu wechseln.
Das hochwertige Glas ist säurefest und temperaturbeständig. Anders als günstige Supermarktgläser hält Mason-Glas wiederholtes Spülbecken-Einkochen bei 100 °C aus, ohne zu reißen. Auch der Kontakt mit Säure und Salz aus der Lake schadet ihm nicht. Sauerkraut, das jahrelang im selben Glas reift, kommt am Ende makellos heraus.
Die Standard-Größen, Wide Mouth Half-Gallon (1,9 Liter), Wide Mouth Quart (950 ml), Pint (475 ml), decken alle typischen Haushaltsmengen ab. Wide-Mouth-Versionen sind beim Befüllen mit Kohl deutlich einfacher zu handhaben als die schmaleren Regular-Mouth-Varianten.
Drei Aufsätze, die alles verändern
Der Standard-Mason-Jar-Deckel ist für Fermentation ungeeignet, weil entweder zu viel Sauerstoff eindringt oder Druck im Glas explodieren lässt. Drei Aufsätze lösen dieses Problem zuverlässig, alle kosten zusammen unter 30 Euro und passen auf jedes Standard-Wide-Mouth-Glas.
Der erste ist ein Airlock-Deckel mit eingebautem Wasserschloss oder Silikon-Ventil. Diese Konstruktion lässt CO₂ entweichen, blockiert aber Sauerstoff. Der CO₂-Druck baut sich kontrolliert ab, ohne dass die Lake "atmen" muss. Modelle wie Easy Fermenter, Pickle Pipe oder Kraut Source kosten 15–25 Euro pro Stück.
Der zweite Aufsatz ist ein Glasgewicht. Es drückt das Gärgut unter die Lake, entscheidend, weil exponierte Stücke sofort Kahmhefe entwickeln. Glasgewichte mit Griff erleichtern das Herausnehmen, kosten 6–10 Euro pro Stück und sind spülmaschinenfest. Drittens ein Trichter mit weiter Öffnung, der das Befüllen mit Kohl-Schnitzeln zur sauberen Angelegenheit macht.
Mason Jar vs Bügelglas vs Gärtopf
| Kriterium | Mason Jar | Bügelglas | Gärtopf |
|---|---|---|---|
| Anschaffung | 8–15 € | 10–20 € | 60–150 € |
| Zubehör | 10–30 € extra | Keines nötig | Inklusive |
| Volumen | 0,5–4 Liter | 0,5–3 Liter | 5–25 Liter |
| Sichtbarkeit | Voll transparent | Voll transparent | Keine Sicht |
| Reinigung | Spülmaschine | Spülmaschine | Handwäsche |
| Empfohlen für | Anfänger, kleine Mengen | Mittlere Mengen | Großmengen, Profis |
Schritt-für-Schritt: Sauerkraut im Mason Jar
Schneide einen halben Weißkohl (etwa 750 g) in feine Streifen. Wiege ihn ab und gib 2 % seines Gewichts in Salz dazu, bei 750 g Kohl also 15 g Steinsalz oder Meersalz ohne Jod. Knete die Mischung in einer Schüssel kräftig fünf bis zehn Minuten lang, bis genug Kohlsaft austritt, um die Streifen zu bedecken.
Fülle die Mischung Schicht für Schicht in den Mason Jar und drücke jede Lage fest hinein. Lasse oben mindestens 3 cm Luft bis zum Glasrand, sodass beim Aufgehen nichts überquillt. Lege das Glasgewicht obenauf, schraube den Airlock-Deckel zu und stelle das Glas auf einen Teller, falls doch etwas überläuft.
Bei 18–22 °C ist das Sauerkraut nach 14–21 Tagen fertig. Probier zwischendurch und lass es so lange stehen, bis dir die Säure zusagt. Danach kommt das Glas in den Kühlschrank, wo es bei 4 °C noch 8–12 Monate hält. Der Airlock-Deckel kann jetzt durch einen normalen Schraubdeckel ersetzt werden.
Häufige Probleme und Workarounds
Wenn nach drei Tagen keine Bläschen sichtbar sind, ist es entweder zu kalt (unter 18 °C) oder das Salz war zu hoch dosiert. Bei über 3 % Salz arbeiten die Bakterien sehr langsam. Stelle das Glas an einen wärmeren Ort und beobachte 48 Stunden, meistens kommt die Fermentation dann in Gang.
Drückt sich Lake durch den Airlock raus, war die Schicht zu hoch befüllt. Das ist nicht weiter schlimm, aber unhygienisch um das Glas herum. Beim nächsten Ansatz lässt du 4 cm Headroom und stellst das Glas auf einen tiefen Teller. Auch ein Wechsel auf einen Pickle-Pipe-Aufsatz hilft, weil dieser sanft genug ablässt, um Spritzer zu vermeiden.
Pflege und Lebensdauer
Mason Jars halten bei guter Pflege Jahrzehnte. Die Innen-Deckel und Dichtringe verschleißen schneller, etwa nach 30–50 Verwendungen. Ersatz-Deckel kosten unter 10 Cent pro Stück, ein 12er-Pack reicht oft mehrere Jahre. Bei Airlock-Aufsätzen aus Silikon prüfe regelmäßig auf Risse oder Verfärbungen, eine spröde gewordene Dichtung lässt Sauerstoff durchsickern und gefährdet die Fermentation.
Reinige Gläser nach jedem Ansatz mit heißem Wasser und einer Bürste. Bei stärkerem Geruch (vor allem nach Knoblauch oder Fisch-Fermentation) hilft ein Backpulver-Wasser-Bad über Nacht. Vermeide Stahlwolle oder kratzende Pads, Mikrokratzer im Glas werden zu Bakterien-Nestern für die nächste Charge. Eine Naturborsten-Flaschenbürste reinigt schonend und kommt auch in den Glasboden, wo sich Belag besonders gerne festsetzt.
Auch die Glasgewichte brauchen Aufmerksamkeit. Spüle sie nach jedem Einsatz heiß ab, ein gelegentlicher Kurzgang in der Spülmaschine bei 60 °C ist unbedenklich. Bei sichtbaren Belägen oder weißen Mineralrändern hilft ein Bad in lauwarmem Wasser mit einem Schuss klarer Essigsäure für 30 Minuten, das löst Kalk und organische Reste in einem Schritt.
Welche Größe für welches Vorhaben
Pint-Gläser (475 ml) eignen sich für kleine Versuchsansätze, Würzpasten, fermentierte Knoblauchzehen oder Hot-Sauces. Bei Sauerkraut wird der Glashals zu eng, um sinnvoll zu stampfen. Quart-Gläser (950 ml) sind die universelle Größe für Sauerkraut, Kimchi, Salzgurken oder fermentiertes Gemüse, eine Charge ergibt etwa 600–700 g fertiges Ferment.
Half-Gallon-Gläser (1,9 Liter) lohnen sich, wenn du regelmäßig größere Mengen produzierst. Sie passen aber nicht in jeden Kühlschrank, miss vorher die Höhe deines obersten Faches, bevor du dich für diese Variante entscheidest. Für Anfänger reicht ein 4er-Set Quart-Gläser mit Airlock-Aufsätzen für rund 50 Euro vollkommen aus, um drei bis vier verschiedene Fermente parallel zu führen.
Mason-Jar-basiertes Fermentieren skaliert hervorragend. Drei Wide-Mouth-Quart-Gläser parallel produzieren in einem Monat etwa 2,5 kg fermentiertes Gemüse, genug für eine kleine Familie. Mehr Inspiration für verschiedene Fermente und Saison-Rezepte gibt es in unserer Rezept-Sammlung.
Tipp
Verwende immer unbehandeltes Gemuese und unjodiertes Salz fuer die besten Ergebnisse. Die Temperatur sollte zwischen 18-22 Grad liegen.
Veröffentlicht durch die Gaerkultur-Redaktion. Veröffentlicht am 6. August 2026.
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