Buttermilch selber machen: Fermentation mit Starterkulturen
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Mesophile Milchsäurebakterien wie Lactococcus lactis vergären Vollmilch bei 22 °C in 12 bis 18 Stunden zu cremig-säuerlicher Buttermilch, ohne Buttermaschine, ohne Spezial-Equipment, mit zuverlässigem Ergebnis. Die selbstgemachte Variante schlägt Supermarkt-Buttermilch in Säuregrad, Cremigkeit und Probiotika-Vielfalt deutlich.
Echte Buttermilch versus kultivierte Buttermilch
Original-Buttermilch ist die Flüssigkeit, die beim Buttern aus der Sahne übrig bleibt, sie wurde nur durch die Reifung der Sahne säuerlich. Heute ist diese "echte" Buttermilch im Handel praktisch verschwunden. Was du im Kühlregal findest, ist fast immer "kultivierte Buttermilch", Magermilch oder fettarme Milch, die mit Milchsäurekulturen versetzt und 12 Stunden vergoren wird.
Genau diese Variante machst du zuhause nach. Du nutzt eine mesophile Starterkultur (entweder käuflich, Trockenpulver oder als Re-Kultur aus 50 ml gekaufter Buttermilch) und kontrollierst die Fermentation über Temperatur und Zeit. Das Endprodukt hat einen pH-Wert von 4,4 bis 4,6, ist deutlich säuerlicher und vollmundiger als Industriebuttermilch und enthält je nach Kultur 5 bis 12 verschiedene Bakterienstämme statt nur 2.
Welche Milch funktioniert
Vollmilch (3,5 % Fett) liefert die cremigste Buttermilch, der Fettanteil bindet Aromen und gibt Volumen. Fettarme Milch (1,5 %) geht auch und entspricht der typischen Supermarkt-Variante. Magermilch wird dagegen oft zu dünn und wässrig.
Frische Pasteurisierte schmeckt am besten, weil die Milch noch genügend natürliche Aromen behält. H-Milch funktioniert technisch (die Bakterien fermentieren brav), aber das Aroma ist flacher. Rohmilch direkt vom Bauernhof bringt die meisten Eigenkulturen mit, was zu unkontrolliertem Geschmack führen kann, wer Rohmilch nutzen will, sollte sie auf 72 °C für 15 Sekunden erhitzen, abkühlen und dann mit einer Starterkultur impfen.
| Milchsorte | Fettgehalt | Konsistenz | Empfohlen für |
|---|---|---|---|
| Vollmilch | 3,5 % | Sehr cremig | Backen, Trinken pur |
| Fettarme Milch | 1,5 % | Mittel-cremig | Pancakes, Marinaden |
| Magermilch | 0,1–0,3 % | Wässrig, dünn | Smoothies, Soups |
| Rohmilch (pasteurisiert) | 3,5–4,5 % | Sehr cremig, vollmundig | Premium-Anwendung |
Starterkulturen: was du brauchst
Für mesophile (kalt-fermentierende) Buttermilch hast du drei Optionen. Erstens: kommerzielle Trockenkultur wie Yoba MMo oder Danisco MM100, ergiebig für 50 bis 100 Liter, hält gefriergetrocknet zwei Jahre. Diese Kulturen enthalten Lactococcus lactis subsp. lactis, L. lactis subsp. cremoris und manchmal Leuconostoc für mehr Aromatiefe.
Zweitens: 50 ml gekaufte Buttermilch aus dem Supermarkt, funktioniert als Starter, solange auf der Packung "mit lebenden Kulturen" steht und die Buttermilch ungekühlt nicht länger als 5 Tage bis Mindesthaltbarkeit hat. Drittens: 30 ml aus deinem letzten Buttermilch-Batch (Re-Kultivierung). Letztere Methode geht etwa 5 bis 8 Generationen gut, danach werden die Kulturen schwächer und du solltest neu starten.
Anleitung: Buttermilch in 18 Stunden
Du brauchst ein 1-Liter-Glas mit Deckel oder Tuchabdeckung, ein Thermometer und 1 Liter Vollmilch. Erhitze die Milch in einem Topf auf 30 bis 32 °C, das ist nur lauwarm, wärmer als Hand-warm. Schalte den Herd aus, sobald das Thermometer 32 °C zeigt. Nicht heißer, sonst sterben die Kulturen ab. Fülle die Milch ins saubere Glas.
Jetzt impfen. Bei Trockenkultur: ein Beutel (oder die nach Hersteller angegebene Menge, meist 0,02 g pro Liter) in 1 EL warmer Milch auflösen, dann ins Glas geben und gründlich rühren. Bei flüssigem Starter aus gekaufter Buttermilch: 50 ml direkt einrühren. Decke das Glas mit einem Tuch oder lockerem Schraubdeckel ab.
Stell das Glas an einen Ort mit konstanten 22 °C: Auf den Schrank, in den ausgeschalteten Backofen, in den Heizungsraum. Vermeide Zugluft, vermeide direkte Sonneneinstrahlung. Nach 12 Stunden prüfen: Wenn die Buttermilch eine geleeartige, leicht stockende Konsistenz hat und säuerlich riecht, ist sie fertig. Sonst gib ihr weitere 4 bis 6 Stunden. Maximaltemperatur 24 °C, dann maximal 14 Stunden.
Reife-Test und Lagerung
Ein Löffel kommt sauber heraus, die Buttermilch zieht leicht beim Schöpfen, ihr pH liegt zwischen 4,4 und 4,8 (mit pH-Streifen messbar). Geschmacklich: angenehm säuerlich, vollmundig, ohne hefige oder bittere Noten. Wenn sich Molke abscheidet, ist sie zu lange fermentiert, kein Drama, einfach durchrühren oder als Backbuttermilch verwenden.
Sofort in den Kühlschrank stellen. Dort hält sie 7 bis 10 Tage. Säuregrad nimmt im Kühlschrank langsam zu, nach 5 Tagen ist sie spürbar stärker als am Tag des Abfüllens. Vor jeder Verwendung kurz schütteln, weil sich beim Stehen leichte Molke absetzt. Den letzten Schluck (etwa 30 ml) hebst du als Starter für den nächsten Batch auf, siehe auch Joghurt selber machen.
Verwendung in der Küche
Buttermilch ist nicht nur Erfrischungsgetränk. Sie ist die ideale Marinade für Hühnchen, die Milchsäure denaturiert Eiweiße und macht Fleisch zart, ohne es zäh zu kochen. 4 bis 24 Stunden in Buttermilch eingelegtes Hähnchen wird beim Braten besonders saftig. In Backwaren wie Pancakes, Scones oder Soda-Bread reagiert sie mit Natron zu CO₂, das ist das Geheimnis für besonders flauschige Krume.
Selbstgemachte Buttermilch hat oft einen Säuregrad, der intensiver ist als die Supermarkt-Version. In Rezepten kannst du sie 1:1 ersetzen, aber bei sehr sauren Buttermilch-Batches (pH unter 4,4) verdünne mit 10 bis 20 Prozent Wasser oder normaler Milch, sonst werden Pancakes und Backwaren zu scharf-säuerlich.
Häufige Fehler und Lösungen
Wenn die Buttermilch nach 18 Stunden noch flüssig ist, war die Temperatur zu niedrig (unter 20 °C) oder der Starter zu schwach. Stell sie nochmal warm, gib 50 ml mehr Starter dazu und warte 6 weitere Stunden. Wenn sie hellgelblich-grünlich verfärbt ist und nach Hefe riecht, ist die Kultur kontaminiert, kompletten Neuansatz, Glas heiß ausspülen.
Bittere Buttermilch nach 24+ Stunden zeigt, dass die Fermentation zu lange lief, Milchsäurebakterien produzieren Bitterstoffe, wenn der Zucker (Laktose) verbraucht ist und sie auf Eiweißabbau umsteigen. Die Lösung: nicht länger als 18 Stunden bei 22 °C fermentieren, oder kürzer bei höherer Temperatur. Eine Eieruhr stellen verhindert das vergessene Glas, das 30 Stunden im warmen Backofen stand.
Tipp
Verwende immer unbehandeltes Gemuese und unjodiertes Salz fuer die besten Ergebnisse. Die Temperatur sollte zwischen 18-22 Grad liegen.
Veröffentlicht durch die Gaerkultur-Redaktion. Veröffentlicht am 25. Juni 2026.
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